Home-Office Schule, Corona Tag I

Ausnahmesituation, Woche 1

Ein Versuch, der scheiterte

Heute ist der erste Tag der mehr oder weniger freiwilligen auferlegten Ausgangssperre.

 

Heute sind alle zu Hause.

 

Wirklich alle.

 

Mit allen vier Katzen.

 

Heute noch mit allen Nerven – so habe ich es mir zumindest vorgenommen. Ich wünsche mir es zumindest, doch wie mit allen Wünschen, sollte man auch mit diesem Wunsch vorsichtig sein.

 

Der erste Tag des notgedrungenen Hausunterrichts. Die Schulen sind geschlossen. Wir wurden gut eingedeckt mit Lernmaterial. Zu gut. Deutsch, Mathematik, Englisch –  ich nehme mir vor, strukturiert an die Sache ranzugehen. Im Elternbrief wird mir versichert, dass es nur vertiefender Stoff ist, nur Wiederholungen, nichts Neues gelehrt werden soll.  Es beschwichtigt mich nur minimalst. Ich glaube prinzipiell nichts und vertraue nicht mal Niemand persönlich.

 

Während ich seit gestern versuche, meine Tochter auf die gestellten Schulaufgaben vorzubereiten und sie mehr oder weniger subtil darauf aufmerksam mache, dass dies keine Schulferien seien – wir keinen Urlaub genießen würden, zweifle ich immens daran, ob ich meiner neuen Herausforderung gewachsen bin. Ich fühlte mich noch nie dazu befähigt, mit neuen Herausforderungen zu wachsen. Im Gegenteil, ich verwachse mit ihnen zu etwas Neuem. Zu einem neuen chaotischen Kuddelmuddel.  Nur mein Mut bleibt mir, wie auch heute. Es ist jedoch nicht der frohe Mut, nein, es ist der Mut der Verzweiflung. Der Mut meines Dilemmas. Ich versuche es zunächst vernünftig. Ich erkläre meiner Tochter, wie toll es denn wäre, jetzt von zu Hause aus zu lernen. Wie super chillig es wäre. Wie entspannt sie die Aufgaben erledigen könne. Ich sie dabei unterstütze würde nach Kräften. Wir zwei gemeinsam.

 

Fakt ist, dass mir jegliche Kraft schon bei meiner Überzeugungsarbeit verloren ging.

 

Fakt ist, dass unter meinem Nervenkostüm ein jämmerliches Bündel an undefinierten Nervenfasern hing.  Motivationslos und doch so angespannt. Abwartend, auf der Lauer und doch resignierend. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das von mir so sorgfältig platzierte Nervenkostüm    zwischen all den Emotionen in Stücke sprengte.

 

Fakt ist, dass all meine Bemühungen von meiner Tochter ignoriert wurden.

 

Fakt ist, dass morgen auch noch ein Tag ist.  

Tag 2.

Fakt ist, dass wir das Corona-Virus besiegen werden. Das Leben findet immer einen weg.

 

 

 

 


Um Missverständnissen vorzubeugen. Ich bin mir dem Ernst der Lage bewusst. Ich hadere, ich fürchte. Es sind neue Zeiten. Neue Vorkommnisse. Neue Wege werden gesucht und gefunden. Wir alle gestalten und strukturieren unser Leben um. Wir müssen. Das Thema Covid-19 ist kein Kinkerlitzchen. Halten wir zusammen, damit wir einander wieder an den Händen halten können. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0