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In Your Face Bitch

Will ich ein Blatt beschreiben,  steht schon was drauf. Ein Zitat von Manfred Hinrich.

Ja, ich mag Zitate.  Es gibt genügend Menschen, die keine Zitate mögen und es gibt auch viele unter uns, die wiederum jene Menschen nicht mögen, die Zitate mögen. Und natürlich gibt es Menschen, die  keine Menschen mögen. Generell und überhaupt.
Wie auch mein Inspektor. Ich denke, er mag auch keine Zitate, aber das verrät er mir noch. So erschien mir mein Inspektor  - ich müsste lügen, würde ich behaupten, er erschien mir im Traum. Er war auf einmal da. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sogleich war ich Feuer und Flamme. Ein Krimi musste her. Was folgte, waren tage- und nächtelange Recherchen. Recherchen über das Leben und auf welche Arten, man dieses aufgefuchst auslöschen konnte. Recherchen über  Polizeiarbeit, Forensik, Würmer und Maden.  Jeder Spaziergang entpuppte sich unweigerlich als Suche nach geeigneten Leichenablagerungsplätzen.  Ich wollte mir keinen Fehler erlauben.  Der Plan war, alles akribisch genau in meinem Notizblock zu notieren. Sogar ein Plot entstand, so wie es auch rechtens war. Nichts durfte mir entgehen. Endlich war es soweit. Ich setze mich hin. Die Tastatur zum Anschlagen bereit. Brille aufgesetzt. Viel Kaffee … und los.

Los.

Und los.

Ich sagte los.

Los mach was,Tastatur.

 Los mach was, doofes Gehirn

Doch da war nichts mit dem Los. Es glich eher einer Niete. Da war nichts. Kann doch nicht so schwer sein. Irgendwann hatte ich wohl doch begonnen zu schreiben. Ich schrieb, doch ohne Herz, ohne Seele, da war kein ICH, kein mein SEIN. Das war nur eine Geschichte, nur eine Story. Nur Buchstaben. Kein Leben.

Meine Frustration stieg und entlud sich unweigerlich. Was folgte waren Selbstzweifel, Zerwürfnisse und „ich will und kann das auch nicht“.

Zeit verging. Der Inspektor ... leider, der ging nirgendwo hin. Der blieb in meinem Kopf. Er machte auch keine Anstalten zu verschwinden. Im Gegenheil. Es bereitete ihm zusehends Freude, mich zu quälen. Unweigerlich und meinen Vorsätzen zum Trotz begann ich schließlich mit ihm zu reden. Ob er antwortete oder nicht ... eine Frage für Therapeuten. Tut hier nichts zur Sache. Eines war jedoch klar, der Inspektor war ein Sadist, keinen Hehl machte er sich daraus. Er quälte mich. Ein Misanthrop sondergleichen. War aber egal, ich mochte ihn auch nicht. Ich hasste ihn. Wie konnte er mir nur so etwas antun. Keiner von uns wollte klein bei geben. Er war stur. Zweifelsfrei, doch er machte den Fehler, mich zu unterschätzen. In your face, bitch.

Und auch wenn Du noch nicht auf dem Blatt stehst, ich dich nicht beschreiben konnte. Jetzt konnte ich es. Ich machte Dich zu dem, was du immer warst und bist. Zum Inspektor. Zu meinem Inspektor.  Du musst die Menschen nicht mögen, mach einfach Deine Arbeit.  Und gut ist. So wie ich meine mache. Deal? Ich denke, das war ein Ja. 

 

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