Platz für Irrsinn, Corona Tag 11

 

»Gut, also weißt du auch, was du willst. Nicht nur, was du nicht willst.«

 

»Verwirr mich nicht! In mir ist kein Platz mehr für noch mehr Irrsinn.«

 

 

 

Als ich diese Zeilen schrieb (Das Haus mit den traurigen Augen, S. Kerling meets E. A. Poe) hätte ich nicht gedacht,  dass diese mich heute einholen würden. Genau diese Stelle an jener Stelle.  An diesem Ort. In der Küche. Heute. Augenscheinlich zusammenhanglos, und doch offensichtlich lose zusammenhängend.

 

 

Ich wusste heute nicht, was ich tun sollte.  Heute. Meine Tochter schlief noch, langsam wurden ihre Nächte zu Tagen. So schlimm ist‘s wohl noch nicht. Wie auch immer, sie schlief noch. Ich habe mir gestern vorgenommen, heute an meinem neuen Roman weiterzuschreiben  - meine Zeit quasi produktiv zu nutzen und nicht sinnlos immer fetter zu werden. 

 

Nö, irgendwie doch nicht. Nein. Heute war nicht die Zeit zum Schreiben. Irgendwie war heute Zeit für Zeit haben.  Konnte man Zeit haben? Zeit gehörte ja niemanden, darum … war es Irrsinn, etwas von ihr zu nehmen, ohne sie zu haben. Woher  hätte ich das Recht sie zu nutzen, zu benutzen?

 

 

Ich schaute heute die gefühlte  234. Wiederholung einer Folge Law & Order, noch nicht mal dies verhalf mir zur einer ruhigen Stimmung. Ich war so unruhig heute. Unentspannt.

 

 

Kuchen. Mein Volk braucht mehr Kuchen! Nein, Kuchen war noch da. Brot, mein Volk braucht Brot!  Ich sollte mich zuerst um meine Liebsten kümmern. So gehört sich das. Wenn die Zeit schon niemandem gehörte, dann eben das Sich. Sie mussten nicht Kuchen essen, nur weil kein Brot zugegen war. Ich würde Brot machen. Ich hatte noch nie Brot gemacht. Spannend, machte mich nicht weniger unentspannt. Und ich machte Brot. Und ich sah, dass es gut war.

 

Mein Volk muss wie gesagt nicht wählen. Brot und Kuchen für alle. Und auch Kokosbusserl.

 

 

 

»Ja, ich mache Fortschritte. Ja, ich weiß mitunter Dinge, die ich nicht will. Das stimmt. Ich weiß nicht immer, was mir schmeckt. Immer öfter aber, was mir nicht schmeckt. Und ich weiß, welche Zutat fehlen könnte, damit es besser schmeckt.«

 

 

 

Und hey, unter uns Ausgangsbeschränkten: Frohsinn wird überbewertet. Es reicht der Wahnsinn. Irrsinn Ende.

 

 

 

Tagebuch Ende.

 

 

 

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